Stundenverrechnungssatz berechnen – so kalkulierst du richtig

Was muss deine Arbeitsstunde kosten, damit am Ende des Jahres Geld übrig bleibt? Viele Betriebe rechnen mit einem Bauchgefühl-Satz, der zu niedrig ist – und wundern sich, warum trotz voller Auftragsbücher nichts hängen bleibt. Der Stundenverrechnungssatz ist der Preis, den du dem Kunden pro produktiver Arbeitsstunde berechnest, und er muss deutlich über dem reinen Stundenlohn deines Mitarbeiters liegen, weil er auch unproduktive Zeiten, Gemeinkosten und deinen Gewinn tragen muss. In diesem Ratgeber rechnen wir Schritt für Schritt durch, wie du die produktiven Stunden ermittelst, welche Kosten in den Satz gehören und wie du am Ende auf einen Verrechnungssatz kommst, mit dem dein Betrieb wirklich verdient. Am Ende zeigt dir ein durchgerechneter Rechenweg, wie du deinen Satz selbst nachrechnest – und im interaktiven Stundensatz-Rechner trägst du deine Zahlen direkt ein und bekommst das Ergebnis samt Aufschlüsselung sofort.

Warum der Stundenlohn nicht dein Verrechnungssatz ist

Wenn dein Geselle 25 Euro die Stunde kostet, kannst du ihn nicht für 25 Euro verkaufen – dann zahlst du drauf. Denn nicht jede bezahlte Stunde ist auch eine produktive, verrechenbare Stunde: Urlaub, Krankheit, Feiertage, Weiterbildung, Fahrten, Rüstzeiten und Leerlauf sind bezahlt, aber nicht fakturierbar. Dazu kommen die Gemeinkosten des Betriebs und dein Gewinn. Der Verrechnungssatz liegt deshalb oft beim Zwei- bis Dreifachen des reinen Stundenlohns – je nach Betrieb.

Schritt 1: Produktive Stunden ermitteln

Rechne von den theoretisch möglichen Jahresstunden (z. B. rund 2.000 bei Vollzeit) die nicht produktiven Zeiten ab: Urlaub, gesetzliche Feiertage, durchschnittliche Krankheitstage, Weiterbildung sowie unproduktive Anteile wie Fahrten, Rüsten, Aufräumen und Leerlauf. Übrig bleiben die tatsächlich verrechenbaren, produktiven Stunden pro Mitarbeiter und Jahr. Das ist die entscheidende Zahl – und meist deutlich niedriger, als man denkt.

Schritt 2: Kosten pro produktiver Stunde

Nimm die Vollkosten eines Mitarbeiters pro Jahr – Bruttolohn plus Lohnnebenkosten – und teile sie durch die produktiven Stunden. Schon hier liegt der Betrag über dem reinen Stundenlohn, weil die unproduktiven Stunden mitfinanziert werden müssen. Anschließend legst du die Gemeinkosten des Betriebs um: Miete, Fahrzeuge, Werkzeug, Versicherungen, Verwaltung, Software. Diese Kosten verteilst du anteilig auf die produktiven Stunden aller Mitarbeiter.

Schritt 3: Gewinnaufschlag drauf

Kostendeckung allein ist kein Geschäftsmodell – dein Betrieb soll Gewinn machen, um Rücklagen zu bilden, zu investieren und Risiken abzufedern. Auf die Vollkosten pro Stunde schlägst du deshalb einen Gewinnaufschlag. Wie hoch der ausfällt, hängt von deinem Markt und deiner Position ab. Erst dieser Aufschlag macht aus einem kostendeckenden Satz einen Satz, mit dem du wirklich verdienst.

Beispielrechnung

Angenommen, ein Mitarbeiter verursacht 60.000 Euro Vollkosten im Jahr und kommt auf 1.500 produktive Stunden – das ergibt 40 Euro reine Personalkosten pro produktiver Stunde. Legst du 15 Euro Gemeinkosten pro Stunde um, bist du bei 55 Euro Selbstkosten. Mit einem Gewinnaufschlag von etwa 15 Prozent landest du bei rund 63 Euro Stundenverrechnungssatz. Das sind Beispielzahlen zur Veranschaulichung – deine echten Werte hängen von deinem Betrieb ab und können deutlich abweichen.

Warum ein zu niedriger Satz gefährlich ist

Viele Betriebe orientieren sich am Wettbewerb oder am Bauchgefühl und setzen den Stundensatz zu niedrig an, aus Angst, sonst keine Aufträge zu bekommen. Das Ergebnis: volle Auftragsbücher, aber am Jahresende bleibt nichts übrig – oder du zahlst sogar drauf, ohne es zu merken. Ein zu niedriger Verrechnungssatz frisst genau die Rücklagen auf, die du für Investitionen, Ausfälle und schlechte Zeiten brauchst. Es ist besser, mit einem auskömmlichen Satz ein paar Aufträge weniger zu machen, als sich mit Dumpingpreisen kaputtzuarbeiten. Wer seine Kosten kennt, kann selbstbewusst einen Preis nennen, der den Betrieb trägt.

Material und Fremdleistungen getrennt aufschlagen

Der Stundenverrechnungssatz deckt deine Arbeitsleistung ab – nicht das Material und nicht die Leistungen, die du zukaufst. Auf Material und Fremdleistungen gehört ein eigener Aufschlag, denn auch deren Beschaffung, Lagerung, Vorfinanzierung und das Risiko kosten dich etwas. Wer Material zum Einkaufspreis weitergibt, verschenkt Marge und trägt das Risiko umsonst. Kalkuliere Arbeit, Material und Fremdleistungen deshalb sauber getrennt, jeweils mit dem passenden Aufschlag. So ist am Ende jede Komponente deines Angebots auskömmlich – und nicht nur die Stunden, während das Material stillschweigend die Marge auffrisst.

Den Satz regelmäßig überprüfen

Dein Stundenverrechnungssatz ist keine Zahl, die du einmal ausrechnest und dann für immer nutzt. Löhne steigen, Material wird teurer, Versicherungen und Fahrzeugkosten ändern sich, und auch deine produktiven Stunden schwanken. Deshalb solltest du den Satz mindestens einmal im Jahr überprüfen und an die aktuelle Kostenlage anpassen. Wer jahrelang mit demselben Satz arbeitet, während alles teurer wird, verliert schleichend Marge. Eine regelmäßige Überprüfung – am besten auf Basis echter Zahlen aus deinem Betrieb – hält deine Kalkulation aktuell und sorgt dafür, dass die Preissteigerungen nicht an dir hängen bleiben.

Mit echten Zahlen kalkulieren – dank Zeiterfassung

Die beste Kalkulation nützt nichts, wenn du nicht weißt, wie viele Stunden deine Baustellen wirklich brauchen. Mit der Zeiterfassung von betriebsbasis bucht dein Team die Stunden auf den jeweiligen Auftrag, sodass du in der Nachkalkulation siehst, ob eine Baustelle in der geplanten Zeit lief. So arbeitest du mit echten produktiven Stunden statt mit Schätzungen – und schärfst deinen Verrechnungssatz mit jeder abgerechneten Baustelle. Rechne deinen Satz mit der Formel oben nach.

Häufige Fragen

Wie hoch ist ein üblicher Stundenverrechnungssatz im Handwerk?
Das hängt stark vom Gewerk, der Region und der Kostenstruktur ab. Als Orientierung liegt der Verrechnungssatz oft beim Zwei- bis Dreifachen des reinen Stundenlohns, weil er unproduktive Zeiten, Gemeinkosten und Gewinn mittragen muss.
Warum ist der Verrechnungssatz so viel höher als der Stundenlohn?
Weil nicht jede bezahlte Stunde verrechenbar ist: Urlaub, Krankheit, Fahrten und Leerlauf sind bezahlt, aber nicht fakturierbar. Dazu kommen Gemeinkosten und dein Gewinn. All das trägt der verrechenbare Stundenanteil.
Wie ermittle ich meine produktiven Stunden?
Ziehe von den theoretisch möglichen Jahresstunden die unproduktiven Zeiten ab – Urlaub, Feiertage, Krankheit, Weiterbildung, Fahrten und Rüstzeiten. Übrig bleiben die tatsächlich verrechenbaren produktiven Stunden.

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